Der Hochzeitsgäste-Knigge: Ihr seid Gäste einer Hochzeit? – Dos und Dont’s


Der Hochzeitsgäste-Knigge: Ihr seid Gäste einer Hochzeit? – Dos und Dont’s

Über den Umgang mit Menschen“ hieß das Buch, das von Adolph Freiherr Knigge erstmalig 1788 erschien. Seitdem streiten sich Menschen darüber, wie man sich gegenüber anderen oder an Veranstaltungen wie Hochzeiten und Geburtstagen verhalten soll.

Nun, ich bin auch kein Spezialist für extremste Höflichkeiten, wenngleich ich bereits einige Knigge-Seminare besuchen durfte. Dennoch sehe ich als Hochzeitsfotograf jedes Wochenende wieder dieselben Fehler, die Gäste wissentlich oder unwissentlich auf Hochzeiten machen und damit für Empörung oder Ärger sorgen, ohne dass sie es evtl. mitbekommen.

Anbei findet Ihr meine Top 7 der Hochzeits Dos und Dont’s

1.    Die Einladung – und nun?

Viele Brautpaare beginnen schon lange vor der eigentlichen Hochzeit mit der Planung. So führen wir als Hochzeitsfotografen beispielsweise oftmals ein Jahr im Voraus mit unseren Paaren ein sogenanntes Engagement-Fotoshooting durch, um tolle save-the-date Karten und später Einladungskarten versenden zu können.

Damit verbunden werdet Ihr oft darin gebeten, dass Ihr früh genug zu- oder absagt (oftmals mit Fristsetzung) und mit wie vielen Personen Ihr kommt. Klar kann man das nicht immer direkt sagen, da man beispielsweise gerade einen neuen Partner kennen gelernt hat, der evtl. nicht mitkommt oder man einen Urlaub plant.

Aber denkt bitte auch aus Sicht des Brautpaares – Die beiden müssen planen, wie die Sitzordnung ist und wie viele Menüs bestellt werden. Sagt Ihr zu spät zu oder ab, kann das dafür sorgen, dass die Sitzordnung über den Haufen geworfen werden muss, es leere Sitzplätze gibt, oder das Brautpaar im schlimmsten Fall Eure Menüs nicht mehr abbestellen kann und auf den Kosten sitzen bleibt.

2.    Die Kleidung – was anziehen?

Eigentlich ist es ganz einfach – als Frau sollte weiß tabu sein, wenn man nicht gerade selber heiratet. Scheinbar ist das aber noch nicht in jeden Winkel von Deutschland vorgedrungen. Auch hell-rosa und weiß-beige, die Richtung weiß gehen, sollte man vermeiden. Ebenfalls sollte der Kleid-Stil dem Stil der Hochzeit angepasst sein.

Gewünschte Farben und den Stil kann man meistens schon der Einladung entnehmen oder man fragt einfach das Brautpaar.

Auch die Männer sollten aufpassen – wenn der Bräutigam einen blauen Anzug an hat, sollte man auf eine andere Farbe ausweichen. Gerade bei standesamtlichen Hochzeiten sollte man darauf achten, weil sich dann oftmals der Anzug des Bräutigams nicht von den anderen Anzügen vom Schnitt her abhebt.

Auf jeden Fall solltet Ihr diese Dos und Dont’s beachten:

DON’T

  • dreckige Schuhe und Kleidung
  • Turnschuhe, wenn es nicht zum Stil passt
  • Kurze Hosen (wenn es nicht stylisch und abgesprochen ist)
  • Ohne Sacko
  • Kurzarmhemd (nur der Fotograf darf das 😉 )

DOS

  • Stylische Schnitte
  • Holzfliegen
  • Hosenträger
  • Weiche Kleider

3.    Die Hochzeit beginnt – und wo bleibt Ihr?

Die Trauung ist für 15 Uhr geplant. Ihr habt Stress und müsst Euch anziehen – die Haare fallen mal wieder falsch. Naja, Ihr werdet schon passend kommen, wenn da nicht der Verkehr wäre und dann findet man auch noch nicht mal einen Parkplatz. Ja, es gibt viele Ausreden, zu spät zu kommen.

De facto ist es mehr als Anstand, wenn Ihr mindestens 30 Minuten vor Beginn vor Ort seid und vielleicht auch schon in der Kirche sitzt. Die Braut will vielleicht nicht vor der Kirche gesehen werden oder der Mann erwartet dort seine Zukünftige und darf sie dort zum ersten Mal sehen – und Ihr wollt diesen Moment stören?

Dann lieber warten, wenn die beiden die Kirche betreten und dann schnell hinter den beiden unbemerkt in die Kirche rein huschen. Wenn – ja wenn da nicht der Fotograf wäre, der gerade unvergessliche Fotos vom Einzug der Braut mit dem Vater macht – und wer photobombt diese tolle Erinnerung und versaut damit einen unvergesslichen Moment? Leider Ihr – es war eben kein Parkplatz frei…

Also bitte früh genug da sein, Stau und andere Dinge einplanen und in der Kirche Platz nehmen.

4.    Handy Nutzung – Unplugged Weddings

Nun sitzt Ihr in der Kirche und endlich kommt das Brautpaar herein – so ein herrlicher Moment. Das muss man unbedingt auf einem Bild festhalten. Zum Glück hat ja jeder ein Handy dabei oder die neue DSLR-Kamera, die man zwar noch nicht beherrscht, aber die schon gute Fotos machen wird. Also nur ein kleiner Schritt in den Gang und schon hat man den perfekten Winkel, um ein Foto zu schießen.

Pech nur, dass jetzt der gebuchte Fotograf ein tolles Bild von Eurem Rücken gemacht hat oder einen Einzug fotografiert, wo sich nicht jeder über das Brautpaar freut, sondern jeder einen langen Arm macht mit einem Handy in der Hand.

Leider ist das kein Einzelfall – es passiert auf jeder Hochzeit – leider können wir nur genau diese abschreckenden Beispiele nicht zeigen, weil wir sonst unseren Brautpaaren auf die Füße treten würden, da diese enttäuscht sind, dass jemand ein tolles Foto kaputt gemacht hat wegen seinem Handy.

Und wenn man meint, es geht nicht absurder – Ja, ich habe schon mal eine Live-Übertragung einer Hochzeit in einem Facebook-Livestream eines Gastes gesehen. Muss das sein?

Mein Tipp: Handy aus, bis die Trauung vorbei ist! Bei der Feier könnt Ihr immer noch ein Foto des Brautpaares abstauben. #unpluggedwedding

Übrigens kommt es echt vor, dass wir Fotografen von anderen Gästen weg geschubst werden, damit die das bessere Bild machen. Kurzer Hinweis: Ich mache Kraftsport 😉

5.    Das Buffet ist eröffnet – oder doch nicht?

Der Tag ist lang und der Magen beginnt, sich zu melden. Die Feier-Lcations bauen ein festliches Buffet oder Häppchen auf. Es sieht einfach zum Anbeißen aus – und genau das machen viele Gäste. Zugreifen und rein mit dem Häppchen.

Was aber, wenn das Brautpaar das Buffet noch eröffnen wollte? Also, bitte kurz überlegen, wenn Ihr zugreift um im schlimmsten Fall kurz fragen, ob schon eröffnet wurde.

Guten Appetit!

6.    Alkoholkonsum – es gibt immer einen, der voller ist

Einen darf man schon trinken. Ja klar – es ist eine Party. Ich als Fotograf stoße auch mal gerne mit dem Brautpaar an. Denkt aber bitte daran – alles in Maßen und nicht in Liter-Maßen. Es ist oftmals ein langer, heißer Tag, an dem man erst spät was isst. Macht bitte langsam mit dem Alkohol, dann wird das ein toller Tag!

7.    Bilder der Hochzeit – das solltet Ihr lassen

Und dann ist die Hochzeit vorbei. Zum Glück habt Ihr ein paar coole Schüsse der Feier mit dem Handy bekommen. Und ab damit in Facebook! Oder halt – doch nicht?

  • Will das Brautpaar das überhaupt?
  • Sind auf dem Foto andere Gäste, die das nicht wollen?
  • Erst dem Brautpaar zeigen?

Aus meiner Sicht sollte das Brautpaar absolutes Vorrecht haben, ein Bild zu veröffentlichen. Es ist deren Tag und so lange solltet Ihr warten können. Also einfach Eure Fotos dem Brautpaar senden und wie in jedem Fall – einfach fragen!

 

Ich hoffe, dass ich Euch mit meinem 7-Punkte Knigge für Hochzeitsgäste eine kleine, aber witzige Hilfe geben konnte. Ich bin mir sicher, dass Ihr einen tollen Tag haben wertdet. Viel Spaß beim Feiern!

 

Frank Martini

 

 

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